KAUFHAUS BOZEN-BOLZANO

Für die Entwicklung des Gebäudevolumens, wurde mit Hilfe eines großmaßstäblichen Arbeitsmodells vorhandene Trauf­kan­ten auf­ge­nommen, Blickbezüge zur historischen Innenstadt geprüft, Fassaden­fluchten weitergeführt und Straßenräume und Platzkanten gebildet. Dabei wurden städtebauliche Motive der Bozener Altstadt, wie Gasse, Piazza, Kolonnade oder das bewegte Spiel der Fassaden benutzt, um das Gebäude in das Stadtgefüge einzupassen. Mit Hilfe von Modellfotos aus der Fußgängerperspektive wurde die gefundene Gebäudeform aus allen Blickrichtungen studiert und Schritt für Schritt verfeinert. Schließlich erfolgte eine Untersuchung der unterschiedlichen Gebäudeseiten und ihrer Fassaden mit Hilfe perspektivischer Darstellungen. Themen dabei waren Proportion, Struktur, Formsprache und Materialität der Fassaden.

Ergebnis dieses Prozesses ist ein Baukörper, der von den Stadträumen aus entwickelt wurde. Im einzelnen übernimmt er dabei die Aufgaben, den Vorplatz des Bahnhofs stadträumlich zu fassen und damit den Besuchern Bozens einen repräsentativen Stadteingang zu bieten, dem Bahnhofspark eine räumliche Kante zu geben, und an dieser innerstädtischen Grünanlage eine neue Wegeverbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt vorbeizuführen, entlang der Garibaldistraße eine klare Stadtkante und in der Südtiroler Straße einen klaren Straßenraum zu formulieren. Der Bezug auf die Höhen der jeweiligen Nachbargebäude führt schließlich dazu, dass das Kaufhaus sich in die Maßstäblichkeit seiner Umgebung einzufügen vermag.

Morphologisch greift das Kaufhaus das im Bahnhofsbereich durch die 50er Jahre geprägte Stadtbild auf und kombiniert es mit städtebaulichen Elementen der Altstadt. So finden sich die stadträumlichen Motive wie Gasse und Stadtplatz hier wieder und weben das Gebäude in die Stadtstruktur ein. Aus dem Zusammenspiel zwischen alt und neu entsteht ein neues Stück Stadt.

Der Entwurf sieht ein Grundraster aus feinen, linearen Werksteinelementen vor, das für eine übergeordnete Einheitlichkeit der Gesamterscheinung sorgt und das Volumen des Kaufhauses zusammenhält. Die Weite dieses Rasters orientiert sich dabei am Maßstab der Nachbargebäude aus den 50er Jahren. Innerhalb dieses neutralen und gleichzeitig ordnenden Grundgerüsts liegt die Freiheit, in unterschiedlicher Weise auf die jeweilige städtebauliche Situation zu reagieren. In Anlehnung an die für Bozen typischen bewegten Fassadenelemente wie Erker, Balkone und Loggien, spielt auch das Kaufhaus mit geschwungenen Motiven. Je nach Himmelsrichtung oder dahinterliegender Nutzung variieren die Fassaden­elemente in ihrer Tiefe. Wie Vorhänge schwingen sie vor und zurück und geben mal weniger und mal mehr den Blick in das Innere des Gebäudes frei und von innen auf die Stadt, den Park und die Berge ringsum.

Aus der Neutralität der übergeordneten Fassadenstruktur einerseits und aus der Individualität der einzelnen Nutzungen hinter der Fassade andererseits entsteht ein Wechselspiel zwischen Homogenität und Varianz in der äußeren Gebäudeerscheinung. Zusätzlich zur Hö­hen­staffelung differenziert sich das Gebäude durch unterschiedlich tiefe Loggien, Balkone und Fassadenvor- und rücksprünge. Diese Merkmale lassen ein Gebäude entstehen, das trotz seiner Größe Maßstäblichkeit besitzt und innerhalb einer generellen Ordnung Lebendigkeit und individuellen Ausdruck zulässt.

Am Ende steht ein Gebäude, das für neues städtisches Leben sorgt und zusammen mit dem neugestalteten Bahnhofspark einen attraktiven Ort für Bozen und seine Besucher schafft.